Norwegens Küsten - eine Reise mit der C182 gen Norden

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    Teil VI


    Hallo ihr lieben Leute,


    heute ging es auf einen eher kurzen Ausflug weiter entlang unserer Route (okay, so genau wird die nicht eingehalten, die Karte am Anfang ist eher ein Überblick). In Norwegen werden die Tage mittlerweile schneller kürzer als bei uns und es gibt nur noch wenige schöne und auch flugfähige (sowie arbeitsfreie) Stunden, in denen man sich in Richtung Norden auf den Weg machen kann.


    Wir starten bei spätsommerlichen 17Grad im herbstlichen Molde und nehmen einen nordöstlichen Kurs ein. Nach einiger Zeit erreichen wir bereits wieder spärlich besiedelte Gebiete und die Landschaft schwingt sich gemächlich in eine Art Hochland auf, unterbrochen immer wieder von Fjorden, Flüssen und den unzähligen Seen - allesamt Relikte der Eiszeit oder deren Folgen.





    Auf ungefähr 4000 Fuß ist es dann bei Winden um die 14-20 Knoten dermaßen schaukelig und ruppig, dass man 1.) froh ist nicht in einer echten Maschine zu sitzen und 2.) kaum ein gerades Bild gelingt. Ein Hoch auf einen stabilen, virtuellen Magen!


    Nach gut einer halben Stunde erreichen wir dann an der Mündung der Orkla (einer der weniger bekannten Flüsse Norwegens) bei oder in Orkanger den riesigen Trondheimfjord, mit 130km Länge immerhin der drittlängste seiner Art in Norge. Inmitten des Krieges wurde nach einer Havarie eine Focke-Wulf Fw 200 mehr oder weniger kontrolliert im Fjord versenkt, von dort 1999 geborgen und in das Deutsche Technikmuseum in Berlin überführt.


    Die Stadt Orkanger ist ein wichtiges Industriezentrum der Region und steht nur wenig im Schatten der großen Nachbarstadt, zu der wir gleich kommen.





    An der Mündung der Gaula bei Byneset geht es von Westen her in Richtung Trondheim, dessen große städtische Ausläufer man schon von weither erkennt. Die Kommune ist die drittgrößte Norwegens bei nur ca 187.000 Einwohnern und die letzte wirkliche Großstadt auf dem Weg gen Norden. Die Stadt wurde bereits im 10. Jahrhundert am Fluss Nidelv gegründet und hieß lange Zeit eigentlich Nidaros. Sie wurde erst unter dänischer Vorherrschaft in Trondhjem umbenannt. Die heutige Schreibweise entspricht der zweiten norwegischen Schriftsprache Nynorsk. Im zweiten Weltkrieg wurde die Stadt ein massiver Marinestützpunkt des Deutschen Reiches und bis heute kann man sich den monumentalen Betonschwachsinn in Form des ehemaligen U-Bootbunkers "Dora" im Hafen ansehen. Viel interessanter ist aber das Ensemble rund um den großen Dom, in dem unter anderem die norwegischen Krönungsfeierlichkeiten abgehalten werden und der gut beim Überflug zu erkennen ist. Wer sich für abgefahrene Getränke, ein buntes kulturelles Leben, Skifahren, Segeln, Studieren, Fisch kaufen, Wal essen, teure Mietwohnungen, tolle Fahrradwege und viele andere Dinge begeistern kann, dem sei ein Besuch oder eine dauerhafte Bleibe dort sehr empfohlen. (Der Autor, der das Vergnügen hatte dort ein Jahr leben zu dürfen, gibt gerne Auskunft :-) )








    Nach dem etwas wehmütigen Blick zurück, drehen wir Richtung Osten und setzen direkt zum Anflug auf den Flughafen Værnes an, eines der wichtigsten Luftdrehkreuze Mittelnorwegens. Hier ist die Maschine gut geparkt, kann umsorgt werden und steht, falls dies denn die letzte Tour vor dem Winter war, sicher und warm. :-)





    Von Trondheim aus wird es früher oder auch später, vielleicht doch auch noch bei Schnee, in jedem Fall aber straight gen Norden gehen. Ich werde noch viele tolle Augenblicke und ihr die daraus resultierenden Bilder erleben. Viel Spass weiterhin und hjertelig hilsen!


    J.

  • Hallo Jens,


    ja, jeg kun snakk dansk, en lidt. Meine Familie stammt aus Nordfriesland. Dort lernt man dänisch u.a. in der Schule.
    Aber mein dänisch ist nicht toll - ich verstehe alles, das geschriebene sowieso (Zeitung z.B.). aber sprechen...langt für einen
    Smalltalk über´s Wetter. Aber ich bin bekennender Dänemark-Fan! Skandinavien insgesamt finde ich toll. Brauch keinen Urlaub
    in der Türkei oder Ägypten - lieber eine Woche Ferienhaus in DK oder ein paar Tage Norwegen/Schweden erkunden.


    Thorsten

  • TEIL VII


    Heisan, folkens!
    willkommen zum siebten Teil der Norwegen-Rundreise in der Skylane. Der Herbst ist da und in Norwegen zur Zeit gar nicht so viel kühler oder wärmer als hier, im Gegenteil: Heute war nochmal super Flugwetter mit wenig Wolken und konstanten 5 Grad in Mittelnorwegen angesagt. Also wurde der Cessna-Hangar in Trondheim noch einmal aufgeschlossen und die Kiste ausgekramt (gut das mir ein cleverer Mechaniker empfohlen hat, dieses langlebige A2A-Öl reinzufüllen. ;-) )
    Wir fliegen zunächst auf der Bahn 27 ab und kurz Richtung Westen, woraufhin ein Schwenk gen Norden über die hügelige und von Landwirtschaft geprägte Küste von Velvangen folgt. Hier erkennt man bereits die herbstlichen FTX-Felder, die in ihrem Grau total realistisch sind (finde ich).



    Wir folgen nun dem Trondheimsfjord in nordöstliche Richtung und staunen einmal mehr über die irre Größe dieses riesigen, wassergefüllten Tals.



    Bei Mosvik fließt der Fjord sozusagen durch den engen Skarnsund in seinen nördlichen Seitenarm, den Beitstadfjord. Der Sund wird von der mächtigen Skarnsundbrua überspannt, ein Meisterwerk aus der Freeware-Schmiede "NorwayBridgesX".



    Nachdem wir die blauen Gewässer erst einmal hinter uns gelassen haben, geht es direkt nördlich durch das Tal bei Namdalseid und zwischen den Hügeln der Oyenskavlen hindurch (hmm, mir ist meine Windows-Sprachleiste weggeflogen und ich hab jetzt keine Lust lange zu recherchieren, wie man das wieder herstellt, darum jetzt mal alles ohne die norwegischen Laute). Hier kommt jetzt richtig Herbststimmung auf, die ihr einfach mal auf euch sacken lassen müsst.





    Nach kurzer Flugzeit erreichen wir den Namsenfjord, wo der Fluss Namsen bei Namsos in selbigen mündet. Namsos ist eigentlich eine junge Stadt aus dem 19. Jahrhundert, leider aber nicht nur dreimal komplett abgebrannt, sondern im II. Weltkrieg auch noch einmal vollständig zerstört worden. Ein sprachliches Relikt dieser Zeit soll das im Englischen nicht mehr allzu häufig verwendete Wort Namsosed sein, dass im AE für "vollständige Vernichtung" steht. Ein trauriges Schicksal, dass so viele norwegische Städte teilen mussten. Nichtsdestotroz ist das Städtchen aus der Luft hübsch anzusehen und wer mal richtig tief über Häuserdächer anfliegen will, sollte den 4km von der Stadt entfernten Flughafen ansteuern.




    Es geht immer weiter Richtung Norden und durch wunderbar herbstliche Fjordlandschaften und über gelb gefärbte Bäume hinweg (meist Birken), die den Indian Summer des europäischen Nordens erstrahlen lassen.




    Wir nähern uns nunmehr wieder Küstengewässern und entdecken tausende winziger Felsinseln, aber auch imposante, wenn auch karge Küstenformationen in der Region um die Insel Kvalöya am Bindalsfjord.




    Von hier aus ist es nicht mehr weit bis Bronnoysund. Die Kleinstadt ist recht typisch für ihre Lage und hat neben einem Hafen und ein paar Häusern eigentlich nicht viel zu bieten. Trotzdem ist die Lage schön und man ahnt beim Anflug das unverwechselbare norwegische Gemisch von hohen Bergen im Hintergrund und einer felsigen Küstenlandschaft im Vordergrund. Fast möchte einem der Salzgeruch des Meeres in die Nase steigen, aber da wir das Fenster der Skylane fest verschlossen haben und den kalten Wind draußen halten, bekommen wir davon nichts mit.
    Im Hausberg von Bronnoysund, dem Torghatten, gibt es eine geologische Besonderheit. Wer mir diese und zusätzlich noch die sagenumwobene Deutung dieser Erscheinung erklären kann, bekommt einen fetten Like unter seinen Post! ;-) Schaut einfach mal nach.


    Der Anflug auf die 1200m-Piste des Flughafens von Bronnoysund ist unerwartet spektakulär und, jetzt wo ich drüber nachdenke, einer der schönsten, die ich bisher auf der Tour und überhaupt in meiner Sim-Geschichte erlebt habe. Echt und ganz ohne Pathos jetzt. Überzeugt euch selbst.




    In Bronnoysund wird die Maschine wieder einmal geparkt und eingemottet; wer weiß, wann unsere Tour weitergeht. Der frühe Winter bietet meist einige kalte, wolkenfreie Tage, an denen bei tiefstehender Sonne unvergleichliche Bilder gelingen können...



    Habt einen schönen Herbst und macht es euch gemütlich, ich freue mich wie immer über eure wohltuenden Kommentare.
    Gruss (hjertelig hilsen)


    J.

  • Hei Jens!


    Mal wieder ein toller Flug. Ja, an der Westküste Norwegens wird es gar nicht sooo kalt im Herbst/Winter, dank des immer noch spürbaren Golfstroms.
    Der Anflug von Bronnoysund sieht wirklich irre aus - ist abgespeichert. Da bekomme ich direkt wieder Lust gen Norge aufzubrechen. Im Moment steht meine
    Cessna in Schwesing(Husum). Ein Flug nach Kristiansand würde also nur ne gute Stunde dauern ;-)


    Danke für die erneute Inspiration!


    Thorsten

  • Hi Klaus,


    ja ich benutze alles was an Freeware für Norwegen verfügbar ist von Flightsimnorway.com. Eine Installation gibt es nicht, man zieht alles von Hand in den Addon Scenery Ordner, ist aber gut erklärt. Die Airports, die du nicht haben willst, löschst du einfach von Hand raus. Aber selbst das ist in einer Readme erklärt. Ich bin bei sowas auch nicht sehr versiert und habe es trotzdem gut hinbekommen. Die Freeware-Airports sind klasse. Oben auf dem Bild ist Bronnoysund...echt gut gemacht.


    Grüße

    J

  • Ahoi liebe Flusiasthen,


    nach fast eineinhalb Jahren Pause auf dieser Reise möchte ich mich mit einer neuen Etappe zurückmelden. Die Skylane war zuletzt in Brønnøysund geparkt, einem kleinen Regionalflughafen im nördlichen Mittelnorwegen. Natürlich waren erstmal eine Menge Arbeiten an der Maschine durchzuführen: neues Öl, neuer Propeller, die Zylinderköpfe mussten auf Vordermann gebracht werden und wenn einer von zwei Reifen kaputt ist, nimmt man besser gleich ein ganz neues Set. Kurzum: Der Motor wurde generalüberholt und die Maschine glänzt nun nach einer Wäsche wie neu.

    Pünktlich zehn nach sechs Uhr früh geht es bei fast klarem Himmel auf dem noch menschenleeren Platz los und das Ziel heißt: Bodø! Also Kurs Nord.




    Direkt nach dem Start fliegen wir entlang des Strauman-Nationalparks einen fast nördlichen Kurs bis wir kurz vor Sandnessjøen die spannende Gebirgskette "Sieben Schwestern" erreichen (im Bild rechts im Hintergrund). Der Sage nach ließen sich hier sieben Jungfrauen auf der Flucht vor einem mysteriösen König vor Erschöpfung nieder und erstarrten bei Tagesanbruch zu Stein. Die Bergkette kann man super bewandern und hat sieben mal hintereinander fantastische Ausblicke auf den Schärengarten vor der Küste sowie höhere Gebirgszüge in der weiteren Umgebung.




    Sandnessjøen auf der Instel Alsten wird durch die mächtige Helgelandsbrua mit dem Festland verbunden, die wir scheinbar mitten auf dem Wasser liegend entdecken. Ein tolles Konstrukt!




    Nach fast einer halben Stunde Flugzeit geht es entlang des Ranfjords nach Mo i Rana, einer weitgehend uninteressanten Schwerindustriestadt nur wenige Kilometer südlich des Polarkreises. Hier kreuzen sich die Europastraßen 6 (Trelleborg in Südschweden bis Kirkenes an der norwegisch-russischen Grenze) sowie 12 (startet hier und endet mit Meeresunterbrechung in Helsinki) und Touristen erkunden von hier aus vor allem das im Folgenden beschriebene Gebirgsmassiv.




    Bereits bei Mo i Rana haben wir uns auf die MSA von knapp 6000 Fuß hochgeschraubt, um den Svartisen-Gletscher direkt überwinden zu können. Er ist der zweitgrößte Gletscher Norwegens und hat 60 Gletscherzungen, die man zum Teil in geführten Touren erkunden kann. Der 370 Quadratkilometer große Gigant ist dem gleichen Schicksal unterworfen, wie alle seine Kollegen weltweit und geht allmählich immer weiter zurück. 1982 zog sich eine bekannte Gletscherzunge innerhalb einer Woche um 100m über den Gletschersee zurück. Neben dem Klimawandel werden aber auch noch weitere Ursachen für den Rückgang diskutiert. Svartisen bedeutet übrigens "Schwarzes Eis", was auf die sehr dunkelblaue Färbung des Gletschers im Vergleich zum Oberflächeneis deuten soll.




    Gletscher sind häufig Wetterscheiden und so sehen wir bereits beim Überflug ein großes Wolkenband, das sich noch verstärkt, als wir nördlich des Massivs wieder in niedrigere Höhen sinken. Das verstellt leider etwas den Blick auf die rauhe und dennoch frühlingshafte Küstenlandschaft.





    In nur 1500 Fuß Höhe überfliegen wir nun größtenteils den Saltfjord vor den Toren Bodøs. Spannend ist hier vor allem der schnellste Gezeitenstrom der Welt - der Saltstraumen, den ich sehr gerne fotografiert hätte. Da er aber eingefasst in die Hügel liegt, verbietet uns die Wolkendecke einen Abstecher in Richtung des nur 150m breiten Sundes. Hier fließen bis zum Gezeitenwechsel 400 Millionen Kubikmeter Wasser durch - das muss man mal gesehen haben. Einen Videoeindruck gibt es hier . Die Strudel können aufgrund des felsigen Untergrundes fast 10m Durchmesser erreichen und das Wasser jagt wie ein Wildwasserfluss mit ca 40km/h an den Besuchern vorbei. Am Scheitelpunkt zwischen Ebbe und Flut bleibt das Wasser kurzzeitig stehen und strömt dann ebenso schnell und imposant sofort in die andere Richtung wieder Richtung Ozean hinaus. Ein faszinierendes Schauspiel!


    Da keine Wetteränderung in Sicht ist landen wir die Maschine nach einer steilen Linkskurve und ordentlich Wind auf dem Flughafen von Bodø.





    2016 erst zur attraktivsten Stadt Norwegens gekürt liegt die Stadt wie auf einem flachen Sporn an der Mündung des Saltfjordes in den Atlantik und war jahrhundertelang ein relativ unspektakulärer Handelsplatz für Fisch und Pelze. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt - wie so viele andere auch - von der Deutschen Luftwaffe so nachhaltig bombardiert, dass die verbliebenen Einwohner fast fünf Jahre bis zum Kriegsende in Obdachlosenheimen leben mussten. Bodø war die am stärksten zerstörte Stadt Norwegens und man sollte niemals vergessen, wer dafür verantwortlich ist! Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte die Stadt und ihr Flughafen als wichtige Basis der NATO-Streitkräfte in den internationalen Fokus und das Militär prägt bis heute vor allem das Flughafenlayout. Trotzdem ist Bodø heute eine freundliche Stadt mit einer Uni, vielen Dienstleistern und nicht zuletzt dem Hauptquartier von Wiederøe. Vom belebten Airport an der äußersten Landspitze starten bei zum Teil heftigen Winden neben den großen Airlines auch unzählige kleine Flieger, z.B. der norwegischen Luftambulanz.




    In Bodø legen wir nun erstmal eine Pause ein, warten auf besseres Wetter und fliegen dann bald in Richtung Norden weiter. In knapp einem Monat geht dort oben die Sonne gar nicht mehr unter und ich zeige euch die Schönheit Nordnorwegens während der Zeit der langen Abende und noch längeren Schatten. Bleibt dran, ich freue mich wie immer über Kommentare und zur Zeit auch noch über Vorschläge, wie ich endlich das Problem in den Griff bekomme, dass meine Landschaftsauflösung bzw. das Nachladen der Geländetexturen, immer so langsam ist. Ich rede von einer richtig matschigen Landschaft sowohl in der Nähe als auch in der Ferne. Diese Blurries hatte ich früher nie...vielleicht hat ja jemand nen Tip. Ich gebe gerne Auskunft über meine Systemspecs. Danke euch!


    Nun gut, bis bald!

    Jens

  • Danke, Jens, für diesen schönen Flug über Norwegens Westküste und vor allem über deine vielen Informationen über die Gegend und seine Sehenswürdigkeiten. Es macht richtig Spass, mit dir mit zu fliegen, wenn auch nur virtuell.

    Ich freue mich auf deine weiteren Flüge Richtung Norden und erinnere mich dabei gerne an unsere sommerliche Reise mit dem Hurtigruten-Postschiff vor einigen Jahren, allerdings in umgekehrter Richtung, von Kirkenes nach Bergen.

    Also, guten Weiterflug.

    Roman